EU-Konferenz “Adult Volunteering”

Petra Brändle von Anthropogogik Brändle durfte vom 23. – 26. November 2011 Liechtenstein bei der Grundtvig  EU – Konferenz „Adult Volunteering“ in Warschau als Bildungsexpertin vertreten. Es nahmen an dieser Konferenz über 120 Leute von 32 Nationen teil. Durch die Unterstützung der nationalen Agenturen (AIBA in Liechtenstein) und der EU-Kommission für Bildung und Kultur ist der Austausch von Wissen und das gegenseitige Lernen unter den verschiedenen Nationen erst möglich.

Bei dieser Konferenz ging vor allem darum, das Ehrenamt  als wertvolle Lernmöglichkeit für ältere Menschen zu sehen und zu planen. Während der Konferenz gab es Informationen über die Unterstützungsmöglichkeiten der EU, den wissenschaftlichen Input zum Thema und Beispiele von gelungenen länderübergreifenden Projekten. Ausserdem gab es die Möglichkeit sich auszutauschen, gemeinsam neue Projekte zu planen und Partner/innen von anderen Ländern für eigene Projekte  zu finden.

Ehrenamt in Liechtenstein

Persönliche Notizen von der Konferenz:

1. Tag: Das europäische Gericht hat die Freiwilligenarbeit als wertvoll bezeichnet, aber unterstrichen, dass sie nicht als Ersatz für bezahlte Tätigkeiten gedacht sein darf. Sie soll keine Arbeitsplätze „stehlen“. Deshalb soll die Freiwilligenarbeit durch Projekte unterstützt werden, aber nur in Bereichen, in denen sie keine bezahlten Arbeitsplätze  ersetzen.
Die Europäische Kommission gibt als Informationen: Die meisten Freiwilligen sind zwischen 30 und 50 Jahren und am häufigsten im Sport, sozialen Einrichtungen, dann juristischer Bereich (Bewährungshelfer), Kultur, Erziehung, … aktiv. Als Kriterium für „freiwillig“ gilt  „Freier Wille und ohne finanziellen Gewinn.“
Am 1. Tag der Konferenz richteten die Teilnehmenden für jedes Land einen Marktplatz mit ihren schon laufenden Projekten, Delikatessen aus der Heimat und Projektideen. Dann gab es die Möglichkeit  sich kennen zu lernen, Ideen auszutauschen, Gleichgesinnte zu treffen und die Speisen zu probieren. Viele waren am Land Liechtenstein und unseren Delikatessen  interessiert und nahmen die mitgebrachten Werbebroschüren mit nach Hause. Oft musste ich zeigen, wo unser Land auf der Landkarte zu finden ist und stolz zeigte ich die Bilder unserer herrlichen Landschaft. Ein Teilnehmer aus Dänemark ist an unserem nationalen Projekt 45plus.li sehr interessiert. Er möchte in seinem Land unsere Idee auch umsetzen.

Am 2. und 3.Tag wechselten Fachvorträge und Workshops einander ab.
Alan Smith (Grundtvig Koordinator von der Europäischen Kommission) bemängelte, dass die Rahmenbedingungen für die Freiwilligenarbeit in den meisten Ländern nicht geregelt werden. Deshalb soll das kommende Jahr speziell für die Ehrenamtlichkeit bessere Bedingungen und mehr an dieser wertvollen Arbeit bringen. Grundtvig hat einen hohen sozialen Fokus und sieht nicht nur formales, sondern auch informelles Lernen und unterstützt etliche Organisationen mit Ehrenamtlichen.
Nick Ockenden (Institute for Volunteering Research UK) – zeigte das lebenslange Lernen in Verbindung mit Freiwilligenarbeit am Beispiel des VALUE Projekts auf www.valuenetwork.org.uk : Die Hauptmotivation von jungen Menschen  Freiwilligenarbeit zu machen, ist, um zu lernen und die Karriere anzukurbeln. Bei älteren Menschen steht das Helfen im Vordergrund. Dennoch geben 61% aller Teilnehmenden (82% der jüngeren) an, dabei etwas gelernt zu haben. Besonders  Soft Skills wie Selbstvertrauen, aber auch Hard Skills wie Sprachen oder ICT.
Geraldine Libreau (Europ. Kommission, Erwachsenenbildung) stellt positive Beispiele von  Grundtvig Projekten vor und stellt die Forderung nach einer Ausbildung für Freiwillige um  deren Erwartungen zu klären,  Experten werden,  besser werden in Aktion, Vorinformationen – auf was lasse ich mich ein – z. B. im Ausland als Entwicklungshelfer oder soziales Jahr. Grundtvig unterstützt in der Ausbildung / Training, Volunteer exchange, Europass-2012 beinhaltet nun auch informelles Lernen. Wichtig bei Freiwilligenarbeit ist das rekrutieren, motivieren und bedanken (Medaille, Blumenstrauss, … was eben passt …) Jeder kann freiwillig arbeiten, aber wissen das auch alle? SLIEVE, MOVE, European Volunteers in Parks, VOCH, seVen, Hear me – top ausgebildetet Rentner als Mentoren für Schulabbrecher  als Beispiele für erfolgreiche Projekte.
Kate Glyn vom Manchester Museum erzählte über ihr Grundtvig Senior Volunteering Project (das ist schon ihr 5. Projekt im Museum). Sie machten einen Austausch der Freiwilligen mit einem Museum in Budapest.

Workshop 1 „Learning during preparatory phase to volunteering“: Gruppenbildung durch die geografische Nähe / Regionen, weil dann ähnliche Einstellungen und Erf. Mit Freiwilligenarbeit zu erwarten sind. Sie teilen ein in regionale Models. – Gruppenarbeit: „Why would volunteers join your organisation?“ – Es gibt Unterschiede in der Motivation in den versch. Altersgruppen. Traditionell: altruistische, neu: macht sich gut in der Biografie. Wichtige Entscheidungsfaktoren: Mag ich bei „denen“ dabei sein / mitmachen, ist es sinnvoll, wie werde ich behandelt, sind sie nett zu mir, kann ich hinter dem stehen, was die repräsentieren, habe ich nette Kollegen– ist die Institution OK? Was bringt es? Was muss ich machen, wie viel Zeit braucht es und kann ich es überhaupt machen?

Workshop 2:
Um die Lerndimension bei den Freiwilligen sichtbar zu machen, müssen sie zuerst einmal erkennen können, was sie alles gelernt haben. Fragenkatalog: Hat sich ihr (z.B.) ihr Englisch verbessert? Alle Aspekte des Lernens beachten. Persönliche, … Diese sichtbar gemachten Fähigkeiten können dann genutzt werden, um andere dafür zu motivieren.
Welche Voraussetzungen unterstützen den Übertritt von Freiwilligen in einen Job? An was erkennt man Freiwilligenarbeit? Was für skills braucht man dafür? Wie können die Freiwilligen ihre Lernerfolge mit anderen teilen? Wie können Organisationen unterstützt werden beim Erkennen von Lernerfolgen – speziell bei Senioren (ab 50).

Workshop 3: Support for adult volunteering
Warum? – Lernen und neue Skills erwerben, Teil einer Gemeinschaft sein, sich weiterentwickeln, Jobchancen verbessern, neue Interessen, Erfahrungen und Hobbies – Während der Freiwilligenarbeit lernt man Führungsqualitäten, Kommunikation, soz. Fähigkeiten, Teamentwicklung, technische Fähigkeiten und Fertigkeiten, Management und Organisation. 3 von 10 Europäern sind Freiwillige. 80% sehen diesen Teil ihres Lebens als wichtig an.
CEV’s (Citizen European Volunteers) Center: Wissen sammeln und verwalten, politische Entscheidung und Trainings. Tipps: Lernumgebung – Freiwillige, Tools und Instrumente entwickeln, Motivationen beachten, …
Research and Evaluation group: 19 Organisationen von 16 europ. Staaten. Kognitiver, effektiver und affektiver Outcome wird bei ihrer Software – Methode evaluiert. Es gibt Zertifikate, die zeigen genau, was gelernt wurde in den unterschiedlichen Bereichen.
Volonteurope:  Ziel ist es, gute Beispiele zu sammeln. In UK haben sie ein Freiwilligen-Projekt mit Arbeitslosen gestartet. Der Gewinn an Selbstvertrauen hat dazu geführt, dass jetzt alle einen Job haben.

Am 3. Tag besichtigen wir ausserdem am Nachmittag Warschau. Am 4. Tag werden noch gezielt Gespräche mit potenziellen neuen Partnern geführt.

English text of the Polish Agency: Adult volunteering was the topic of the conference organised by the Polish National Agency for the Grundtvig Programme. The conference was held in Warsaw on 23-26 November 2011 and attracted over 120 people from 32 countries – representatives of the European Commission, National Agencies and beneficiaries of the Grundtvig Programme. During the conference they discussed of volunteering, which creates many opportunities for adult learning and the role of the Grundtvig Programme in supporting and promoting adult volunteering. Precisely these days, the European Commission has announced – adding piquancy to the Grundtvig conference – details of the new European educational programme (for 2014-2020) – Erasmus for all.